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Dialog statt erhobener Zeigefinger

Statt mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände hinzuweisen, baut WE Motivation für Veränderung durch einen vertrauensbildenden Dialog zwischen Handelsunternehmen und ihren Lieferanten sowie innerhalb der Fabriken auf.

Um Sozialstandards dauerhaft und umfassend umzusetzen, ist WE ein Ansatz, der auf den Dialog aller relevanten Akteure setzt und gleichzeitig Fachwissen zu Sozialstandards vermittelt. Der Ansatz beruht auf folgenden Eckpfeilern:

Weiterentwicklung bisheriger Ansätze: WE knüpft an bestehende Ansätze zur Implementierung von Sozialstandards an und versucht deren Wirksamkeit dort zu stärken, wo sie bislang an ihre Grenzen stoßen. Der Prototyp des Dialogansatzes von WE wurde 2005/2006 von der GIZ und einer Gruppe deutscher Firmen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften in Projekten in Rumänien und Bulgarien mit Erfolg erprobt. Entwickelt wurde er im Rahmen des vom BMZ geförderten Gremiums „Runder Tisch Verhaltenskodizes“, einem deutschen Multistakeholder-Forum bestehend aus Bundesministerien, GIZ, Handelsunternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften.

Dialog als Schlüssel: Dialog ist ein Katalysator für partnerschaftliche Zusammenarbeit: Manager und Beschäftigte aus den Betrieben erarbeiten gemeinsam an einem Tisch Lösungen für verbesserte Arbeitsbedingungen. Optimalerweise werden die Beschäftigten durch Interessensvertreter vertreten. Auf diese Weise können kulturelle, organisatorische und sonstige Hürden für die Verbesserung von Sozialstandards erkannt und durch gezielte Moderation schrittweise überwunden werden. Der Dialogansatz erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die vereinbarten Maßnahmen umgesetzt werden, da sie sowohl aus Sicht des Managements als auch aus Sicht der Beschäftigten sinnvoll erscheinen. Die Fähigkeit, Dialog zu führen, wird durch lokale Trainer vermittelt. Der Aufbau von Kapazitäten ist wichtig, denn konstruktiver Dialog erfordert ein hohes Maß an Sensibilität und Selbst-Reflektion >>mehr zum Dialogansatz

Lokale Trainer als Brückenbauer: Ein Kernelement des WE Ansatzes sind lokale Trainer, die den Dialogprozess vor Ort in den Betrieben moderieren. Sie spielen eine Schlüsselrolle, denn sie sind mit der Kultur der jeweiligen Region vertraut und sprechen die Sprache der Beschäftigten und Manager. Es fällt ihnen damit leichter einen vertrauensvolleren Zugang zu finden. Indem sie ihre Beratungsleistung kontinuierlich und zu wettbewerbsfähigen Kosten anbieten können, sind die Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass der Ansatz langfristig vor Ort verankert wird. Auch andere Unternehmen können auf das aufgebaute Trainernetzwerk zugreifen und von dessen Know-How profitieren. In der Pilotphase hat die GIZ die Ausbildung und Begleitung der lokalen Trainer im Rahmen ihres Capacity Building Ansatzes finanziert. Heute führt Tchibo diese Arbeit kontinuierlich weiter.
 
Einkäufer mit am Tisch:
WE bietet auch eine Plattform für den Austausch zwischen Handelsunternehmen und Lieferanten. Der direkte Kontakt außerhalb der üblichen Einkaufsbeziehung sensibilisiert die Einkäufer, Qualitätsmanager und Produktentwickler bezüglich der Frage, welchen Einfluss ihre Entscheidungen auf soziale Mindeststandards in den Betrieben haben. Ein Beispiel: Kurzfristige Änderungen der Designvorgaben oder der Bestellmengen können die Produktionszeit auf Lieferantenseite reduzieren. Abhängig von der Gesamtkapazität der Produzenten bedeutet weniger Zeit für die Produktion häufig mehr Überstunden für die Beschäftigten – eine Folgewirkung, die auch nicht im Interesse der Handelsunternehmen liegt.

Einbindung weiterer relevanter Akteure: Auch weitere Akteure, die für die Umsetzung von Sozialstandards wichtig sind, werden konsultiert, wie z.B. NGOs, Industrie- und Handelskammer oder Dachgewerkschaften. Stakeholder Dialoge wurden in den drei Pilotmärkten Bangladesch, China und Thailand in 2009/2010 durchgeführt, u.a. unter Beteiligung des Privatsektors, der Zivilgesellschaft und Gewerkschaften. In diesen Foren wurden das Projektkonzept sowie zentrale Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze bei der Umsetzung von Sozialstandards diskutiert. Die daraus resultierenden Erkenntnisse haben den WE Ansatz für den Rollout stark bereichert.